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Bricolage

Bricolage bedeutet im Französischen wörtlich übersetzt »Bastelei“. Das zugehörige Verb bricoler lässt sich in seinem ursprünglichen Sinn u.a. auf Billard- und Ballspiel anwenden, immer um eine nicht vorgezeichnete Bewegung zu betonen.

Claude Lévi-Strauss (1908-2009, Ethnologe und Anthropologe) führte den Begriff der Bricolage mit seinem Konzept des »Wilden Denkens« (»La pensée sauvage«, 1962) in die Wissenschaften ein. Ein Merkmal dieses Denkens ist die nicht vordefinierte Reorganisation von unmittelbar zur Verfügung stehenden Elementen (Zeichen) zu neuen Strukturen - »nehmen und verknüpfen was da ist«. Der Bricoleur »erarbeitet Strukturen, indem er Ereignisse, oder vielmehr Überreste von Ereignissen, Abfälle und Bruchstücke, fossile Zeugen des Individuums oder der Gesellschaft (neu) ordnet.« Lévi-Strauss bezeichnet diese besondere Art der Erkenntnis als »die Wissen­schaft vom Konkreten«.

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Das Ergebnis der Bricolage hängt ab vom vorhandenen Lager der Ressourcen. Aus den verfüg­baren Versatzstücken, Werkzeugen und Rohstoffen, der »Matrix des Bestehenden« (J. Clarke) werden immer wieder neue Kombinationen und Zusammen­hänge erstellt. Neue Bedeutungen entstehen, die alten werden ergänzt, untergraben oder umcodiert.

»Das Poetische kommt auch und besonders daher, dass es sich nicht darauf beschränkt, etwas zu vollenden oder auszuführen, es spricht nicht nur mit den Dingen sondern auch mittels der Dinge. (...) In dieser Perspektive fügt sich die Kunst auf halbem Wege ein zwischen wissen­schaftlicher Erkenntnis und mythischem (d.h. wildem) Denken«. (C. L.-Strauss.)

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